Buchpräsentation - "Samt und Seide im Historischen Tirol"

02/08/2019

von Richard Vill

Nicht irgendein Buch - Nicht irgendeine Geschichte

DIE GESCHICHTE des Historischen Tirol neu erzählt

Samt und Seide waren die prestigeträchtigsten Stoffe. Die zentrale Lage im Herzen Europas hat dazu geführt,  dass in der Europaregion Tirol heute eine Reihe von äußerst wertvollen textilen Kunstschätzen vorhanden sind, einige einzigartig im internationalen Kontext. Kunstwerke, die in der Region entstanden sind oder für die Region angefertigt oder angekauft wurden – eine Region, die durch die dynastische Politik seiner weltlichen und geistlichen Herrscher ab dem 11. Jahrhundert das politische Gebilde, aber auch den Kulturraum geprägt haben. Die kulturelle Bedeutung von Textilien spiegelt sich allein schon in der Vielfalt, in der sie hergestellt worden sind sowie in den zahlreich erhalten gebliebenen Objekten, was angesichts ihrer eher fragilen Natur umso bemerkenswerter erscheint. Sie verraten neben erstaunlichen technischen Fähigkeiten auch den hohen rituellen Wert, der Textilien stets beigemessen wurde. Textilien gehören zu den am meisten gefährdeten historischen Kunstwerken. So sind auch mittelalterliche Paramente nur vereinzelt und in geringer Zahl erhalten, die nach wie vor die breiteste Forschungsgrundlage für die Textilgeschichte des Mittelalters darstellen.

Dem Wandel der gesellschaftlichen Strukturen und den wirtschaftlichen Bedingungen entsprechend tritt neben Landesfürstentum und Adel ab dem späten Mittelalter das Bürgertum mit wachsenden Wünschen nach anspruchsvoller Kleidung und Ausstattung seines Lebensraumes auf. Die unterschiedlichen Objekte aus Samt und Seide – von prachtvollen Tapisserien, liturgischen und profanen textilen Kostbarkeiten bis hin zur Mode aus vergangenen Jahrhunderten – sind einzigartige Zeugnisse vergangener Pracht und Herrschaft, welche die Geschichte jener Zeit anschaulich vermitteln.

In Bezug auf die Entwicklung der Technik und der Herstellungsverfahren, verknüpft mit der Wirtschafts- und Textilgeschichte des Landes zeigt Tirol mit seinen verschiedenen lokalen produktiven Schwerpunkten in der Textilverarbeitung – gleich einer Arbeitsteilung entsprechend – ein breitgefächertes funktionierendes Wirtschaftsgefüge. Die Seidenproduktion im Süden des Landes, beginnend mit der Pflanzung von Maulbeerbäumen für die Seidenraupenzucht, und später mit der Produktion der Seidengarne und Seidenstoffe galt als eigentliche Grundlage des Wohlstandes im Trentino und Südtiroler Unterland. Die besondere geografische Lage Alt-Tirols als Verbindungspunkt südlicher und nördlicher Kulturen machte die wirtschaftliche Entwicklung des Textilsektors und den Handel mit textilen Erzeugnissen zu einem bemerkenswerten Drehpunkt im europäischen Raum.

Richard Vill, Südtiroler Modedesigner und Autor, arbeitet vorwiegend mit Naturfasern. Schon zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hat der dem textilen Handwerk und der textilen Kunst einen neuen Stellenwert gegeben. Das Zsammenspiel und der Kreislauf von Regionalität, Ökologie und Ökonomie sind für ihn von zentraler Bedeutung. Er ist Referent in der Meisterausbildung für Mode, Werkstoffkunde und Textilökologie. Seine intensive Spurensuche nach textilen Kulturgütern und teils weit verstreuten Urkunden, Plänen sowie fotografischem Bildmaterial zu Samt und Seide im Historischen Tirol erfahren nun erstmals eine umfassende Dokumentation.

Von 9:00 - 11:00 Uhr
Museum Bramberg