Auf den Spuren des Kaisers in Innsbruck

01.01.2019

Wohin man in Innsbruck auch tritt und blickt, man trifft immer auch auf ein Stück Geschichte. Wie diese der Stadt und ihren BewohnerInnen mitgespielt hat, zeigt sich nicht nur in Büchern, sondern auch dem aufmerksamen Auge bei einem Spaziergang.

Mit der Übernahme Tirols und der Vorlande von seinem Onkel Sigmund dem Münzreichen begann Maximilians I. (Bau-)Tätigkeit in Innsbruck. Eng in Verbindung zur wegweisenden Verwaltungsreform steht der Prunkerker des Neuhofs, der von den heute weltbekannten goldenen Schindeln gekrönt wird. Im Gebäude selbst entstand unter Maximilian I. eine vom burgundischen Vorbild inspirierte Behörde. Immerhin hatte er dreizehn Jahre in Burgund verbracht, wo er die Verwaltung eines straff organisierten und frühkapitalistisch denkenden Fürstentums zu schätzen gelernt hatte. Mit der Umstrukturierung der Verwaltung hin zu einem frühneuzeitlichen Beamtenapparat übernahm Tirol eine Vorreiterrolle in Europa: Wohl auch deshalb blickt von einer der Reliefplatten am Erker ein hoher Beamter.

Weltumspannender Herrschaftsanspruch

Neben der Verwaltungsreform war es vor allem Maximilians Heirats- und Erbpolitik, die den Weg der Habsburger hin zur dominierenden Weltmacht für die kommenden Jahrhunderte ebnete. Maximilians Vater, Kaiser Friedrich III., herrschte als Landesfürst neben dem Heiligen Römischen Reich nur über die noch überschaubaren
habsburgischen Erblande. Seinem Sohn gelang es durch Heiratsbündnisse und glückliche Erbfälle, ein Weltreich aufzubauen. Hätte Maria Theresia die Hofburg im 18. Jahrhundert nicht umbauen lassen, könnten wir diesen weltumspannenden Herrschaftsanspruch Maximilians noch sehen: Das Saggen- oder Rumertor, das die Altstadt am Ende der Hofgasse abschloss, ließ der Kaiser zum sogenannten Wappenturm ausbauen. Die vorgesetzte Schaufassade wurde nicht nur mit den Wappen aller
habsburgischen Besitzungen verziert – es wurden programmatisch auch jene Länder angeführt, über die Maximilian I. gerne geherrscht hätte. Wenn wir heutzutage durch das so nicht mehr vorhandene Tor schreiten, befindet sich zur Rechten die Hofkirche, auch Schwarzmander-Kapelle genannt. Dort, im Herzen Maximilians bevorzugter Residenzstadt, liegt die letzte Ruhestätte des Kaisers – aber ohne Kaiser. Ebenso wie zahlreiche andere Bauprojekte im gesamten Reich wurde auch das Grabmal zu Lebzeiten geplant. Als Maximilian I. im Jänner 1519 in Wels starb, war das monumentale Denkmal aber nicht ansatzweise vollendet. Beigesetzt wurde er in Wiener Neustadt. Die Pläne für das prunkvolle Grabmal wurden erst durch Maximilians Enkel Ferdinand wieder aufgegriffen und umgesetzt. Das von Bronzefiguren, den schwarzen Mandern und Frauen, bewachte Kenotaph blieb aber leer.

Zeughaus – Tirols Waffenkammer

Neben der Sill, ein Stück außerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen Innsbrucks, finden wir den Spuren Maximilians folgend das Zeughaus. Auch wenn er seine Abstammung auf Cäsar und den trojanischen Hector zurückführte, war er selbst kaum ein strategisch planender Feldherr, wohl aber ein tüchtiger Soldat. Den Großteil seines Lebens verbrachte der Kaiser im Kriegszustand und führte 20 Feldzüge in 40 Jahren. So wurde Tirol nicht nur zum neuen Kulturzentrum, sondern auch zum Waffenlager: In Innsbruck ließ Maximilian in der kaiserlichen Hofplattnerei Rüstungen für seine Landsknechte anfertigen, zu Fuß kämpfenden Söldnern mit Piken. In Hall wurden Hellebarden und Schwerter geschmiedet, in Hötting Geschütze aller Kaliber gegossen. Und mit dem Innsbrucker Zeughaus entstand das zentrale Waffenarsenal, von dem aus Angriffe in alle Richtungen des Kaiserreichs möglich waren.

Spuren im restlichen Tirol

Nicht nur in der Altstadt, sondern überall in der einstigen Grafschaft Tirol treffen wir auf (Bau-)Spuren, die uns auch 500 Jahre nach seinem Tod noch an Maximilian I. erinnern. Er ließ die Höttinger Weiherburg zum adeligen Sitz ausbauen, von dem aus er im Karwendel auf die Gamsjagd gehen konnte. In Schwaz stiftete er das Franziskanerkloster, in Hall ließ er die Burg Hasegg umbauen, die heute noch bestehenden Glurnser Stadtmauern wurden von ihm erneuert, ebenso die eroberte Festung Kufstein. In Bozen zeugt der Runkelsteiner Freskenzyklus von einem zunehmend weltlich orientierten Kaiser. Damit der Spaziergang auf seinen Spuren aber nicht zur transalpinen Wanderung wird, empfiehlt sich abschließend ein Besuch der Sonderausstellung zum Maximilianjahr im Museum Goldenes Dachl. Im Mittelpunkt steht die komplexe Persönlichkeit eines großen Habsburgers, seine Errungenschaften, das Selbstmarketing und nicht zuletzt die Frage, was von ihm bleibt. Dass zumindest die kurz vorgestellten Gebäude auch noch den tausendsten Todestag erleben werden, scheint sicher – und die glänzenden Schindeln erinnern auch dann noch an ein goldenes Zeitalter für Innsbruck und Tirol.