Exklusivinterview mit dem Kaiser Max: "Einmal Kaiser, immer Kaiser"

31.01.2019

Wenn Geschichte zum Leben erwacht, werden auch Kaiser wieder aktiv. Auf den sozialen Netzwerken erzählt Kaiser Maximilian I. anlässlich des Gedenkjahrs #FollowMax500 aus seinem Leben. Wir haben das erste Interview seit 500 Jahren bekommen!

Am 12. Januar 1519 starb der Kaiser Maximilian I. Der römisch-deutsche Kaiser aus dem Hause Habsburg wirkte in verschiedenen Teilen Österreichs und ist besonders eng mit der Stadt Innsbruck verbunden. Viele Sehenswürdigkeiten führen auf ihn zurück. Man darf sich Innsbruck getrost als eine der schönsten mittelalterlichen Metropolen in Europa um 1500 vorstellen. Es wurde fleißig gehandelt, der Kaiser gab reichlich Geld aus, baute und unterhielt ein großes Gefolge.

Anlässlich seines 500-jährigen Todestages ist er unter anderem in einer Marketingkampagne #FollowMax500 auf Facebookund Instagram wieder zum Leben erwacht. Wir haben ein erstes Exklusivinterview mit dem Kaiser bekommen. Das erste seit 500 Jahren!

Lea Hajner: Eure Majestät, spreche ich Sie so richtig an? Oder wie hat man Sie zu ihrer Zeit als Bürgerin angesprochen?

Kaiser Maximilian I.: “Majestät ist durchaus richtig. Wobei Bürger und Bürgerinnen mich damals seltener angesprochen haben – das gehörte sich einfach nicht. Ich habe dennoch immer die Nähe zu meinem Volk gesucht. Ganz allgemein ging es bei mir am Hof eher locker und ohne steife Würde zu.

Ich finde es toll, in den Sozialen Medien so eng in Kontakt mit dem Volk zu stehen. Wobei ich bereits gemerkt habe – ganz so sehen die Tirolerinnen und Tiroler das mit der Anrede heutzutage nicht mehr. Da gab es schon ein bis zwei Diskussionen über die korrekte Ansprache. Ich seh‘ das ja so: Einmal Kaiser, immer Kaiser.” 

Wie gefällt ihnen Innsbruck heutzutage? Würden Sie sich noch zurecht finden in der Altstadt oder vermissen Sie wichtige Orientierungspunkte?

Tirolerinnen und Tiroler finden sich doch immer zurecht mit der Nordkette als Anhaltspunkt. Das neue Innsbruck ist da und dort schon etwas verwirrend, aber ganz Österreich/Europa hat sich ja sehr verändert seit meiner Regentschaft. Dass Maria-Theresia mir den Wappenturm verbaut hat, nehme ich ihr schon ein bisschen übel… Immerhin hat sie mir wenigstens das Goldene Dachl gelassen.

24 Stunden in Innsbruck. Viele Touristen besuchen unsere schöne Stadt jedes Jahr. Wie würde ein perfekter Tag des Kaisers Maximilian heute wohl aussehen? 

Ganz klar – als erstes besuche ich natürlich das Goldene Dachl und die Hofkirche! Immerhin habe ich diese Attraktionen erbauen lassen. Mein perfekter Tag wäre dann noch mit einer Jagdtour in den Bergen abgerundet. Ich frage mich aber, ob ich mit den heutigen Waffen noch eine Gams treffen könnte? Ich bin ja den Gemsspieß gewohnt, mit dem die Gams aus der Wand gestochen wurde. Den Aufstieg würde ich mir durch eine Fahrt mit der Hungerburgbahn auf die Nordkette erleichtern.

Wenn ich dann nicht zu müde bin, würde ich mir noch ein schönes Konzert anhören. Aber für Kunst und Kultur bin ich eigentlich nie zu müde. Vor allem: So eine kleine Bergtour spürt man als gestandener Tiroler ja gar nicht.

Essen verbindet bekanntlich. Fleißige Tiroler Fischer haben mir berichtet, dass Neunaugen eure Lieblingsspeise waren, damals hießen sie Lampreten. So richtig gut schauen die schlangenförmigen Wesen ja nicht gerade aus… waren Sie wirklich ihre Lieblingsspeise? Und welche Speisen wurden sonst noch am Hof aufgetischt?

Da ich viel auf Reisen war, musste mein Koch-Team in einem Küchenwagen für mein leibliches Wohl sorgen. Da war die Kreativität schon etwas eingeschränkt. Aber mir machte das nichts. Ich bevorzuge sowieso schlichte Kost wie Fleisch mit Gemüse. Trotz des Platzmangels im Küchenwagen gab es immer drei Gänge, bei großen Anlässen sogar vier bis fünf – und da gab es dann das, worauf ich gerade Lust hatte, obwohl ich kein großer Esser war. Dafür kamen die besonderen Leckereien auch schon einmal von weiter her.

Worauf ich immer bestand: Wein für alle, von mir bis zu den Damen des Frauenzimmers und den Knechten. Wobei ich den Alkohol eher in Maßen genoss.

Nachdem eure Majestät sich so intensiv und lange mit eurem Grabmal befasst haben, was halten Sie/Ihr vom leeren Grabdenkmal in der Innsbrucker Hofkirche? Ist es enttäuschend, dass es “nur” 28 statt 40 Figuren und diese in Bronze, also schwarz, statt vergoldet geworden sind?

Also ich bin auf keinen Fall enttäuscht von diesem Grabmal. Ohne meinen Enkel Ferdinand I. wäre es gar nicht in Innsbruck. Leer hin oder her – in meiner Position ist es mir ja möglich, überall dort zu sein, wo ich möchte.

Dass sie mir nicht die 40 Figuren, sondern nur 28 und dann auch nicht vergoldet angefertigt haben – na ja. Ich glaube, dazu sollte ich mich nicht zu laut äußern. Immerhin waren sie ja auch so schon nicht gerade billig. Und wie man sieht, besuchen die Hofkirche fast 100.000 Leute pro Jahr – das spricht doch alleine schon für sich.

Kürzlich habe ich das berühmte Albrecht Dürer Portrait von Ihnen im Kunsthistorischem Museum Wien besucht. Gefallen Sie sich denn darauf?

Was soll ich sagen? Dürer war schon immer mein liebster Künstler. Und das Porträt? Ein Traum! Für mich gab es ein paar großartige Maler, aber Dürer – an den reichte niemand heran.

Es hält sich bis heute das hartnäckige Gerücht, dass die Innsbrucker eure Majestät aufgrund von Schulden und dem großen Gefolge zuletzt nicht mehr in die Stadt lassen wollten – stimmt das? Fällt ihnen die Rückkehr 500 Jahre später leichter?

Gestatten, ich korrigiere! Eigentlich wurde mir ja Innsbruck nie wirklich verwehrt. Wo kämen wir da hin, wenn man dem Kaiser den Eintritt nicht erlaubte? Mein Gefolge musste allerdings tatsächlich vor den Stadttoren warten.

Dennoch ist es mir trotz meiner finanziellen Vergangenheit sehr leicht gefallen, in meine Wahlheimat zurückzukehren. Ich bekomme auch sehr viel Zuspruch bezüglich meiner Rückkehr – vor allem auf meinem Facebook-Profil ist das zu sehen. Da und dort erhalte ich zwar auch eine skeptische Nachricht (auch wegen der Schulden), aber das lässt sich für mich als Kaiser und Meister der Kommunikation schnell lösen.

Die größte Angst zeitlebens war, vergessen zu werden. Sind Sie 500 Jahre nach eurem Tod mit dem “Gedechtnus” zufrieden?

Ich bin mehr als zufrieden. Mein Hofstaat hat sich da schon einiges einfallen lassen für mein „Gedechtnus“-Jahr. Immerhin finden zu meinen Ehren mehr als 120 Veranstaltungen statt.

Auf Eurem Facebook und Instagram Account erfahren wir spannende Fakten aus Eurem Leben. Auf welche Highlights dürfen wir uns im Laufe des Jahres noch freuen?

Oh, der Hofstaat hat sich so einiges überlegt, worauf ich mich freue. Wenn ich mir aber was aussuchen müsste, dann bestimmt das Familienfest im Zeughaus und die Ausstellung in der Hofburg.

Toll wird bestimmt auch der Wanderweg zur Kaiser Maximilian-Grotte. Vielleicht treffen ja die einen oder anderen auch meinen Retter, den Engel!

Haben Eure Majestät noch einen Ratschlag für uns?

Wenn ich so zurückdenke, war die Zeit damals etwas ruhiger und alles ging langsamer. Ich habe schon gemerkt, dass die heutige Zeit schnelllebiger ist. Vor allem in der Kommunikation fällt mir das auf. Musste ich früher meine Gesandten und Boten auf eine tagelange Reise schicken, so kann ich heute einfach im Internet mit Leuten sprechen.

Mein Ratschlag ist, sich ab und zu den Moment bewusst zu machen und innezuhalten. Und wenn ich noch was von früher gelernt habe: Es ist nie falsch einen guten Finanzberater zu haben.

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